Knecht Ruprecht

Federzeichnung
Franz Graf Pocci

KNECHT RUPRECHT

aus THEODOR STORMS WEIHNACHTEN

Lieder und Gedichte im Advent

Am Samstag vor dem Dritten Advent, dem 19. Dezember 2020, ab 14 Uhr,
zieht mit Pferd und Wagen, Geschenken und Rute der Heilige Nikolaus samt Knecht Ruprecht, Christkindern und Weihnachtswichteln
durch Beeskow zur Burg.

Pfarrer Frank Städler – Heiliger Nikolaus
Christian Schaefer – Knecht Ruprecht
Marie-Luise Frost, Kristin Schulze, Bartosz Borula – Christkinder
Jakob Frank, Elia Klag – Wichtel
die Band THE RATHMINES (Irish Folk)

Idee und Regie  Hans-Joachim Frank
Kostüme  Barbara Noack
Dramaturgie  Jörg Mihan
Lichtdesign/Technik  Moritz Meyer

 

KNECHT RUPRECHT

Ruprecht: Habt guten Abend, alt und jung
bin allen wohl bekannt genung.
Von drauß vom Walde komm ich her;
ich muß Euch sagen es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
Knecht Ruprecht, rief es alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alt und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
und morgen flieg ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden!
So geh denn rasch von Haus zu Haus.
such mir die guten Kinder aus,
damit ich ihrer mag gedenken
mit schönen Sachen sie mag beschenken.
Ich sprach: O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.
Hast denn das Säcklein auch bei dir?
Ich sprach: Das Säcklein, das ist hier,
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
freßen fromme Kinder gern.
Hast denn die Rute auch bei dir?
Ich sprach: Die Rute die ist hier.
Doch für die Kinder, nur die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.
Christkindlein sprach: So ist es recht.
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!
Von drauß, vom Walde komm ich her,
Ich muß Euch sagen es weihnachtet sehr!
Nun sprecht wie ich’s hierinnen find:
sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?
Vater: Die Kindlein sind wohl alle gut,
haben nur mitunter was trotzigen Mut.
Ruprecht: Ei, ei, für trotzgen Kindermut
ist meine lang Rute gut!
Heißt es bei Euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?
Vater: Wie einer sündigt so wird er gestraft;
die Kindlein sind schon alle brav.
Ruprecht: Stecken sie die Nas auch tüchtig ins Buch,
lesen und schreiben und rechnen genug?
Vater: Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,
wir hoffen zu Gott, daß es endlich schafft.
Ruprecht: Beten sie denn nach altem Brauch
im Bett Ihr Abendsprüchlein auch?
Vater: Neulich hört ich im Kämmerlein
eine kleine Stimme sprechen allein;
und als ich an die Tür getreten,
für alle Lieben hört ich sie beten.
Ruprecht: So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuß;
probiert einmal von seinen Gaben
morgen sollt ihr was beßeres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.
Heut hält es noch am Himmel Wacht;
nun schlafet sanft, habt gute Nacht.

(Theodor Storm)

 

Hans Theodor Woldsen Storm (* 14. September 1817 in Husum, Herzogtum Schleswig; † 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen) war ein deutscher Schriftsteller, der als Lyriker und als Autor von Novellen und Prosa des deutschen Realismus mit norddeutscher Prägung bedeutend war. Storm war studierter Jurist und arbeitete unter anderem als Rechtsanwalt und Richter.

 

Nikolaus – Die harten Fakten von Tobias Glenz

Der Kult
Heute zählt Nikolaus zu den meistverehrten Heiligen der Christenheit und gilt als Schutzpatron zahlreicher Orte, Gruppen und Berufe. Der Kult begann jedoch erst etwa 200 Jahre nach seinem Tod in Griechenland. Von dort breitete sich die Verehrung zunächst über die osteuropäischen Länder aus. Im achten Jahrhundert war der Nikolaus-Kult vor allem in Russland stark, sodass der Heilige dort zum Landespatron erklärt wurde. Langsamer fasste die Verehrung im Westen Fuß, ab dem zehnten Jahrhundert ist sie aber auch für Deutschland, Frankreich und England nachweisbar …
Er ist einer der beliebtesten Heiligen der Kirche: Nikolaus von Myra. Um den Bischof, der im 4. Jahrhundert in Kleinasien lebte, ranken sich zahlreiche Legenden …
Die Reliquien
Nikolaus von Myra soll ursprünglich in der Kirche St. Nikolaus im heutigen Demre bestattet worden sein. Noch heute ist dort der entsprechende Sarkophag zu sehen – mit aufgebrochener Seitenplatte. Denn italienische Seefahrer haben der Überlieferung nach die Gebeine geraubt und im Jahr 1087 nach Bari in Süditalien geschmuggelt. Dort werden die Reliquien … von zahllosen Pilgern verehrt …
Der Geschenkebringer
… Der Bischof kam eines Nachts am Haus einer Familie vorbei, die derart mittellos war, dass die drei Töchter ihr Geld als Prostituierte verdienen mussten. Damit die jungen Frauen dieses Tun beenden und heiraten konnten, warf Nikolaus drei Goldklumpen durch das Fenster des Hauses. Daher wird der Heilige in der Kunst heute oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln dargestellt. Und tatsächlich ist auch vom historischen Nikolaus überliefert, dass der Bischof sein gesamtes Vermögen den Armen vermachte.
Der Stiefelbrauch
… Verbreitet ist … der Brauch, die Schuhe am Nikolausabend vor die Haustür zu stellen, damit sie nachts mit Gaben befüllt werden können. Was heute Stiefel oder Schuhe sind, waren früher kleine Papierschiffe … Die Kinder bastelten … aus Papier – oder anderen Materialien – kleine Schiffe, in die der Heilige am Nikolaustag die Geschenke legen sollte. Warum Schiffe? Der Legende nach rettete der Bischof in Not geratene Seeleute vor dem Tod, indem er einen schweren Sturm auf dem Meer stillte. Aufgrund dieser Wundergeschichte wurde Nikolaus zum Schutzpatron der Seefahrer – und das Schiff zu einem Attribut des Heiligen in der Kunst. Später ersetzte man allerdings die gebastelten Nikolaus-Schiffchen durch Schuhwerk, Strümpfe oder auch den Gabenteller.
Der Begleiter
… Ab dem 16. Jahrhundert ist im Brauchtum der “Knecht Ruprecht” nachweisbar – ursprünglich eine Kinderschreckfigur, die die Kinder zu mehr Frömmigkeit erziehen sollte. Der Knecht diente gegenüber dem Bischof gewissermaßen als Antagonist: Während Nikolaus als friedfertiger und mildtätiger Gabenbringer gutes Benehmen belohnte, strafte der düstere Begleiter die unartigen Kinder mit der Rute. Die ursprüngliche Idee von Knecht Ruprecht als … “Gegenspieler” des Heiligen wurde mit der Zeit jedoch immer mehr entschärft. Aus ihm wurde vordergründig der Gehilfe, der in einem Sack oder Korb auf dem Rücken die Geschenke transportierte. Die Rute gehörte jedoch weiterhin zu seinem Inventar …
Die Konkurrenz
… Da die Reformatoren die Heiligenverehrung allgemein ablehnten, ersetzte Martin Luther den heiligen Bischof durch den “heiligen Christ” und verlegte die Beschenkung auf den 25. Dezember. Hieraus entstand die Figur des Christkinds, das den Nikolaus als Geschenkebringer mehr und mehr ablöste – auch in katholischen Gegenden. Vor allem im protestantischen Weihnachtsbrauch gab es später abermals eine Ablösung: Ab dem 19. Jahrhundert spielte dort das Christkind eine immer geringere Rolle und wurde vom säkularisierten Weihnachtsmann verdrängt …
Quelle

 

Ein Wichtel ist ein kleines Phantasiegeschöpf, das vor allem in nordischen Sagen Gutes tut. Der hilfreiche kleine Hausgeist ist auch zu Schabernack geneigt. In der Weihnachtszeit bringen Weihnachtswichtel heimlich Geschenke beim Wichteln.
Quelle

 

Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Bandenburg und vom Landkreis Oder-Spree